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31. Oktober 2013, 20.00 Uhr
Sina Nossa – Alforria

„Sina Nossa“ verzauberte das Reithallenpublikum
Alle Register der Fado-Musik gezogen
Stehende Ovationen des Publikums

Im Finale des Konzerts der Gruppe „Sina Nossa“ mit abwechslungsreicher portugiesischer Fado-Musik gab es stehende Ovationen des Publikums. Dem waren die sechs Musiker und die enorm engagierte Sängerin Anabela Ribeiro nichts schuldig geblieben. Mal poetisch ruhig, dann entladend rhythmisch wurde man in die Klangwelt Portugals entführt.
Dabei verleugnete man die klassischen Wurzeln des Fados, der schicksalsträchtigen musikalischen Richtung Portugals und gerade Lissabons nicht, brachte aber variantenreich andere Stilelemente ein. Sehr wertvoll beim über zweistündigen Erlebnis die Moderation des Pianisten Armindo Ribeiro, der gleich mit dem Titel „Alforria“ (Freibrief) einen Einblick in das neue Album der 2005 gegründeten Formation geben konnte.
Mit „Há um sorriso n lua“, einer Ode an den Mond, wurde zart und rhythmisch bestimmt das perfekte Zusammenspiel demonstriert, wobei Tangoelemente mit einflossen. Schnell übertrug sich die Stimmung auf das mitgehende Publikum, welche Anabela Ribeiro bei „Lisboa Enfeitada“, Fest in Lissabon, mit ihrer Ausnahmestimme entfachte.
Perfekt auch die begleitende Lichttechnik des Teams der Badner Halle, die beispielsweise beim Titel „Sagres“, das träumerische Entführen in portugiesische Gefilde noch verstärkte. Als Fadosänger und Perkussionist stellte sich auch Jorge Rodrigues vor, der bei „Fado Loucura“ und „Lisboa sentir quando“ engagiert auftrumpfte.
Auch ohne Gesang demonstrierte „Sina Nossa“ ihre musikalische Klasse. So bei Titeln, die von der Gipsy-Musik, Pop oder Jazz angehaucht waren. Dieses, ohne die Brücke zum portugiesischen Fado zu verlieren. Da war André Krengel für manche äußerst gelungene Gitarrenpassage gut oder, beispielsweise bei „Mozart“, über-raschte Ivo Guerdes mit der portugiesi-schen Gitarre und gezauberten Mandolinen- beziehungsweise Balalaikaklängen. Unverzichtbar auch für das geschlossene Klangbild, Adélio Lopes mit dem Akkordeon und André de Cayres am Kontrabass.
Es war einfach eine Freude, in das Wechselbad der vermittelten Emotionen und Rhythmen mit hineingezogen zu werden. Dieses reichte dann noch vom frech-kecken Liebeslied „A quem dar Coracao“ bis zu „Naufrágio“. Bei diesem Instrumental und gedimmten Licht wurde als Klanggebilde ein Schiffbruch an der portugiesischen Küste nachvollzogen.
Natürlich durfte sich im Finale bei „Jardim Lusitano“ (Lusitanischer Garten) und „Fado Portugues“ nochmals apellierend und engagiert Anabela Ribeiro in Szene setzen, die mit ihren sechs Musikern eine eindrucksvolle Visitenkarte vor dicht gefüllten Reihen in der Reithalle hinterlassen hatte.

Text und Fotos: Rainer Wollenschneider

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